Soziale Innovationen und Wandlungserfahrungen

 von vier Ökodörfern und 80 Initiativen weltweit in Datenbank veröffentlicht.

Das GEN Netzwerk, die Ökodörfer Tempelhof, Sieben Linden, Findhorn und Bergen wurden mit 80 anderen Initiativen weltweit im Bereich transformative soziale Innovationen vom EU-Projekt TRANSIT beforscht. Iris Kunze, die inzwischen in Sieben Linden lebt, hat in zahlreichen Tiefeninterviews mit Ökodörfler*innen kritische Wandlungspunkte aus deren Projektgeschichte, Dynamiken und Lernerfahrungen beschrieben. Auch Wandlungspunkte aus anderen Initiativen wie transition towns, seed movement oder Slow Food Initiativen sind als Lernbeispiele in der Englisch-sprachigen TRANSIT-Datenbank beschrieben. Dies alles kann online durchsucht und gelesen werden unter: http://www.transitsocialinnovation.eu/sii.

Außerdem gibt es einen langen Forschungsbericht und andere Publikationen über das Transformationspotential des Global Ecovillage Network, Tempelhof und Tamera in Englisch, herunterzuladen unter:

http://www.transitsocialinnovation.eu/resource-hub/global-ecovillage-network-gen und

weitere Informationen auf:  http://www.community-research.eu

Iris Kunze

GEN beim Weltklimagipfel

Die 23. Weltklimakonferenz 2017 fand in Deutschland unter der Präsidentschaft der Fidschi-Inseln statt. Diplomaten, Politiker und Vertreter der Zivilgesellschaft aus aller Welt trafen sich vom 6. bis 17. November 2017 in Bonn. Mit dabei war eine Delegation von GEN International und GEN Europe. Als Vertreter von GEN – Deutschland war Steffen Emrich vor Ort dabei und brachte die Positionen des Netzwerkes ein.

BEN – das Ökodorf-Netzwerk der Ostsee-Anrainer-Staaten

BEN (Baltic Ecovillage Network) ist eine Vereinigung nationaler Ökodorf-Netzwerke sämtlicher Ostsee-Anrainer-Staaten sowie Norwegens. Gemeinsame Ziele sind die Beförderung des Umwelt- und Naturschutzes, die Etablierung von Bildungsangeboten über soziale und technische Nachhaltigkeits-Lösungen, eine intensive Jugendarbeit und ein wachsendes interkulturelles Verständnis zwischen seinen Mitgliedern.

Die Vereinigung hat die Rolle eines makro-regionalen Koordinators für Informationsaustausch, die Ausrichtung gemeinsamer Seminare und Konferenzen, sowie Bildungsaustausch und Fundraising für gemeinsame Projekte seiner Mitglieder übernommen.

In regelmäßigen Arbeitstreffen werden gemeinsame Projekte entwickelt und umgesetzt – häufig unterstützt durch finanzielle Beihilfen der Europäischen Union.

So entstand etwa im Rahmen des Projektes REALS unter Federführung des Permakultur-Netzwerkes Schweden mit Beteiligung von fünf Ostsee-Staaten und unterstützt durch das Swedish Institute eine Studie über die Vorteile der Integration von Nahrungsmittelerzeugung und Biodiversität im Ostseeraum.

Das gemeinsame Projekt SIBREC widmete sich der Erhebung und dem Erfahrungsaustausch über gelungene Beispiele sozialer Inklusion in baltischen Ökodörfern. Unter Beteiligung zweier regionaler Universitäten – der finnischen Universität in Tartu sowie der Universität Vilnius – entwickelten PartnerInnen aus fünf Ostsee-Staaten in mehreren Arbeitstreffen (Riga, St. Petersburg, Stockholm und Vilnius) eine Strategie für erfolgreiches Sozial-Unternehmertum zur Integration benachteiligter Randgruppen und für mehr gesellschaftliche Teilhabe.

Zahlreiche Jugendaustauschprogramme – u.a. auch durch einjährige Aufenthalte im Rahmen des Europäischen Freiwilligendienstes – sind ein weiteres Element, durch welches BEN dazu beiträgt, zivilgesellschaftliche Begegnungen und persönliches Kennenlernen jenseits nationaler Grenzen und politischer Ausrichtung zu ermöglichen. In einer Zeit zunehmender politischer Spannungen im Ostsee-Raum ist dies auch ein Stück Friedensarbeit.

So veranstaltete im August 2017 die kleine schwedische Gemeinschaft Suderbyn auf der Insel Gotland ihr erstes „no more war!“ Festival mit ca. 200 TeilnehmerInnen aus vielen Ostsee-Ländern. Die Gemeinschaft, welche in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Truppenübungsgelände liegt, versammelte dort in Seminaren, Foren und Konzerten Menschen aus Russland, den baltischen Republiken, Schweden, Finnland, Norwegen, Dänemark, Polen und Deutschland.

ECOLISE – Netzwerk der Netzwerke in Europa

ECOLISE steht für: European Network for Community-Led Initatives on Climate Change and Sustainability. Das 2014 in Brüssel gegründete „Netzwerk der Netzwerke“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine Brücke zu bauen zwischen aktiver Zivilgesellschaft und Politik.

ECOLISE stellt eine Vereinigung aus Organisationen dar, die sich für regional wirksame gemeinschaftliche Initiativen in Europa engagieren und sie auf ihrem Weg in eine nachhaltige Zukunft unterstützen. Zu den Mitgliedern von ECOLISE gehören internationale, nationale und regionale Netzwerke von Initiativen, die sich mit den Themen Forschung, Training und Kommunikation hinsichtlich Klimawandel und Nachhaltigkeit beschäftigen. ECOLISE möchte eine einheitliche europaweite Agenda und Plattform für gemeinsame Aktionen anbieten, mit dem Ziel, diese Organisationen zusammen zu bringen.

Die Vision von ECOLISE ist ein Europa, in welchem lokale Akteure eine führende Rolle übernehmen, um eine wirtschaftliche, soziale-ökologische und kulturelle Nachhaltigkeit zu gewährleisten. Ziele sind ein möglichst kleiner ökologischer Fußabdruck und damit eine post-carbone, ökologische Gesellschaft in Europa, das Erreichen von mehr sozialer Gerechtigkeit und Chancengleichheit, sowie die konsequente Umsetzung der Rechte von Mensch und Umwelt.

Um ihre Mitglieder bei der Umsetzung dieser Ziele zu unterstützen, bietet ECOLISE ein gemeinsames Aktions- und Lern-Programm an und tritt auf politischer Ebene für gemeinschaftliche Initiativen ein, die sich dem Klimawandel und der Nachhaltigkeit in Europa verschrieben haben.

Mithilfe seiner Aktivitäten – etwa des jährlichen „European day of community-led initiatives“ – trägt ECOLISE dazu bei, sowohl das Profil gemeinschafts-getragener Aktionen zu stärken und deren Austausch und Kooperation zu ermöglichen, als auch die Wissensentwicklung und die Wissensvermittlung unter den europäischen InteressenvertreterInnen zu unterstützen und damit den kollektiven Einfluss der Zivilgesellschaft auf die EU-Gesetzgebung zu intensivieren.

ECOLISE stützt sich auf vergleichbare Erfahrungen aus anderen Teilen der Welt, und dient – wo immer möglich – als Quelle der Inspiration und als Unterstützung für ähnliche Initiativen außerhalb Europas.

Zu den derzeit 38 Mitgliedern von ECOLISE aus 17 EU-Staaten und der Schweiz gehören Transition Town Netzwerke und Permakultur Projekte aus unterschiedlichen europäischen Ländern, das europäische Ökodorf-Netzwerk (GEN Europe), “Local Governments for Sustainability” (ICLEI) Europe, “The European Association for Information on Local Development” (AEIDL), GAIA Education und einige europäische Institute und Universitäten.

www.ecolise.eu

„Leben in zukunftsfähigen Dörfern“ – ein Projekt mit dem Umweltbundesamt

Dieses Modellprojekt zur Unterstützung nachhaltiger, ländlicher Entwicklung wird gefördert durch das Umweltbundesamt.

Wenn Sie sich heute die Frage stellen würden, wie Ihr Dorf im Jahr 2030 oder 2050 aussehen soll, welche Bilder tauchen dann auf? Das Projekt „Leben in zukunftsfähigen Dörfern“ will dazu anregen und darin unterstützen, wieder eine positive Vision für das Leben auf dem Dorf zu entwickeln und bietet für deren Umsetzung professionelle Begleitung. Themen, welche im Rahmen des Projektes bewegt werden, sind u.a.:

  • die Wiedergewinnung einer lebendigen Dorfgemeinschaft – auch durch den Zuzug junger Menschen und Alternativen zum demografischen Wandel,
  • die Schaffung einer attraktiven sozial-kulturellen Infrastruktur, welche auch wieder ein Zusammenleben der Generationen und würdevolles Altern im Dorf befördert,
  • die Stärkung lokaler und regionaler Wirtschaftskreisläufe mit dem Effekt von mehr Beschäftigung vor Ort,
  • die Schaffung weitgehend autarker, ökologischer und kostengünstiger Lösungen für essentielle Lebensbereiche wie Energie-Gewinnung und Mobilität,
  • die Entwicklung einer zukunftsfähigen und nachhaltigen Landwirtschaft – u.a. mit kleinbäuerlichen Strukturen und lokaler „Fair“marktung sowie
  • das Aufgreifen ortstypischer Besonderheiten und Traditionen und deren zeitgemäße Wiederbelebung und Einbettung in ein Dorfkonzept mit Strahlkraft.

Im Rahmen des vom Umweltbundesamt geförderten Projekts kooperieren von April 2017 bis September 2018 fünf Mitgliedsgemeinschaften von GEN Deutschland mit fünf aus deren Region ausgewählten Dörfern, um ihre Inspirationskraft und die Übertragbarkeit ihrer Lösungen in allen vier Dimensionen der Nachhaltigkeit – der ökologischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen – für die nachhaltige Entwicklung bestehender Dörfer und Regionen zu erforschen.

Die gemeinsame Kooperation für eine zukunftsfähige Dorfentwicklung soll es ermöglichen, übertragbare Erfahrungen zu sammeln und ein methodisches Vorgehen zu entwickeln, von dem letztlich zahlreiche weitere ländliche Gemeinden in vergleichbarer Situation Inspiration und Ermutigung erhalten können. Die BewohnerInnen der Dörfer werden darin unterstützt,

  • sich gemeinsam ihre Ausgangslage bewusst zu machen und den jeweiligen Entwicklungsstand in wichtigen Lebensbereichen zu reflektieren,
  • ihre Chancen und Potenziale zu erkennen,
  • in einem guten, konstruktiven Miteinander ihre Vision von einer zukunftsfähigen Umgestaltung ihres Dorfes zu entwickeln,
  • einen Nachhaltigkeits-Plan für ihre Gemeinde zu erarbeiten, welcher konkrete Ziele, Handlungsfelder und -schritte für die künftige Dorfentwicklung beschreibt,
  • sich ein regionales UnterstützerInnen-Netzwerk aufzubauen für den Erfahrungsaustausch.

Das Projekt hat zwei Projektphasen. In Phase 1 findet eine Analyse und Evaluation der gegenwärtigen Situation in den Dörfern bezüglich der vier Dimensionen der Nachhaltigkeit (Ökonomie, Ökologie, Soziales, Kultur) statt. In der 2. Projektphase werden für die begleiteten Dörfer und Regionen gemeinsame Absichten und konkrete Projekt-Umsetzungspläne erarbeitet. Dies geschieht in einem Nachhaltigkeits-Plan unter Einbeziehung lokaler AkteurInnen und regionaler PartnerInnen.

Zu den beteiligten Gemeinschaften unseres Netzwerks gehören:

  • das Ökodorf Sieben Linden in Partnerschaft mit der Region Lindstedt (Sachsen-Anhalt),
  • der Lebensgarten Steyerberg in Partnerschaft mit dem Dorf Flegessen (Niedersachsen),
  • die gAstwerke Escherode in Partnerschaft mit der Gemeinde Ziegenhagen (ebenfalls Niedersachsen),
  • die Lebensgemeinschaft auf Schloss Tonndorf und das Lebensgut Cobstädt in Partnerschaft mit dem Dorf Haina (Thüringen) sowie
  • die Gemeinschaft Schloss Tempelhof mit der Gemeinde Hülen (Baden-Würtemberg)

Das nächste Treffen zwischen Gemeinschaften und beteiligten Dörfern findet im November in der Gemeinschaft Sieben Linden statt. Weitere Informationen zu diesem Projekt findet ihr auf unserer eigenen Projektseite.

Wir laden euch herzlich ein, an unserer Abschluss-Konferenz im Sommer 2018 teilzunehmen. Dort werden die Projektergebnisse einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt und die Lösungsansätze bzw. die Wirksamkeit solcher Kooperationsprojekte für eine zukunftsfähige Regional- und Dorfentwicklung reflektiert. Genauere Informationen zur Veranstaltung werden auf der Projektwebsite bekannt gegeben.

Ansprechpartner aus dem Projektleitungsteam:
Christoph Strünke, Thomas Meier, Stella Veciana
Sieben Linden 1, 38489 Beetzendorf OT Poppau
Tel: 039000-901296, E-Mail: uba@gen-deutschland.de