„Leben in zukunftsfähigen Dörfern”

gefördert von:

Ein Modellprojekt zur Unterstützung nachhaltiger ländlicher Entwicklung

„Leben in zukunftsfähigen Dörfern“ bedeutet, mit Hilfe engagierter Dorfgemeinschaften im ländlichen Raum eine langfristig tragfähige Balance der vier Nachhaltigkeits-Dimensionen – der Ökologie, der Ökonomie, des Sozialen und der kulturellen Einbettung – zu etablieren.

Ziel dieses Projektes ist es, dabei die langjährigen Erfahrungen deutscher Ökodörfer in Form partnerschaftlicher Kooperationen beispielhaft für die nachhaltige Entwicklung bestehender Dörfer verfügbar zu machen.

Ein möglicher Ausblick …

Wenn wir uns heute die Frage stellen, wie Dörfer im Jahr 2030 oder 2050 aussehen sollen, welche Bilder tauchen dann auf? Wir werden in diesem Projekt fünf ausgewählte Dörfer/Regionen anregen und darin unterstützen, eine positive Vision für ihren Ort zu entwickeln und werden diese Dörfer/Regionen bei deren Umsetzung professionell begleiten. Themen hierfür können u.a. sein:

  • die Wiedergewinnung einer lebendigen Dorfgemeinschaft – auch durch den Zuzug junger Menschen und Alternativen zum demografischen Wandel,
  • die Schaffung einer attraktiven sozial-kulturellen Infrastruktur, welche auch wieder ein würdevolles Zusammenleben der Generationen befördert,
  • die Stärkung lokaler und regionaler Wirtschaftskreisläufe mit dem Effekt von mehr Beschäftigung vor Ort,
  • die Schaffung weitgehend autarker, ökologischer und kostengünstiger Lösungen für essentielle Lebensbereiche wie Energie-Gewinnung und Mobilität,
  • die Entwicklung einer zukunftsfähigen und nachhaltigen Landwirtschaft – u.a. mit kleinbäuerlichen Strukturen und lokaler „Fair“marktung und
  • das Aufgreifen ortstypischer Besonderheiten und Traditionen und deren zeitgemäße Wiederbelebung und Einbettung in ein Dorfkonzept mit Strahlkraft.

Eine solche Trendwende auf dem Land muss keine Utopie sein. Deutschlandweit mehren sich gute Beispiele für Dörfer und Landkreise, die unter intensiver Beteiligung der Bevölkerung eine lebenswerte Perspektive für Mensch und Umwelt entwickeln. Von der gemeinsam organisierten Nachbarschaftshilfe für SeniorInnen über Bürger-Busse und gemeindeeigene Pflanzenkläranlagen bis zum Bioenergie-Dorf – es gibt bereits zahlreiche, ermutigende Lösungen.

… und der aktuelle Hintergrund

Eine auf konstantes Wachstum ausgelegte Ökonomie, eine damit einhergehende kontinuierliche Intensivierung der Landwirtschaft sowie der demografische Wandel haben in den ländlichen Regionen Deutschlands in den letzten Jahrzehnten viele Probleme mit sich gebracht:

Die natürliche Bodenfruchtbarkeit und die Fähigkeit der Böden, sauberes Trinkwasser zu generieren wie auch die natürliche Artenvielfalt und Attraktivität unserer Kulturlandschaft nehmen durch die zu intensive landwirtschaftliche Nutzung kontinuierlich ab. Damit sind wichtige Lebensgrundlagen stark gefährdet.

Zugleich gibt es immer weniger Arbeitsplätze vor Ort. Die DorfbewohnerInnen müssen immer weitere Wege zurück legen, um einer Erwerbsarbeit nachgehen zu können. Das führt nicht nur zu steigenden Kosten, sondern auch zu sozialen und ökologischen Problemen (u.a. durch die Zunahme des Autoverkehrs) und zu einer zunehmenden Abwanderung in die Städte und Ballungsgebiete. Hierdurch ergeben sich zunehmend Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung lokaler und regionaler Wirtschaftskreisläufe und bei der Bewahrung der Daseinsvorsorge im ländlichen Raum. 

Durch die Abwanderung gibt es immer mehr leer stehende Immobilien, deren Unterhaltungsaufwand Kommunen und private EigentümerInnen schwer belastet oder überfordert. Abwanderung und Überalterung der Bevölkerung führen auch zu einem Niedergang des sozialen und kulturellen Dorflebens.

Diesen Fehlentwicklungen entgegen zu wirken und damit für weite Bevölkerungskreise den Weg zu einem nachhaltigen, ländlichen Leben zu bewahren bzw. zu eröffnen, ist Ziel und Inhalt dieses Modell-Projektes.

Zielgruppe

Das Projekt richtet sich an jene zunehmende Zahl ländlicher Gemeinden, in welchen Abwanderung und Überalterung, Verlust an Kulturlandschaft und ökologischer Vielfalt sowie soziale und kulturelle Stagnation zu einer schleichenden Not der Bevölkerung sowie ihrer natürlichen Lebensgrundlagen führen. Stellvertretend für diese haben wir eine Kooperation mit fünf Dörfern/Regionen aus der Nachbarschaft bzw. in räumlicher Nähe zu den langjährig erfahrenen Ökodörfern begonnen.

Entscheidend für eine erfolgreiche Beteiligung ist sowohl eine breite Unterstützung der örtlichen Bevölkerung für einen grundlegenden Wandel im Ort als auch eine Aufgeschlossenheit ihrer politischen VertreterInnen sowie der zuständigen Verwaltungs-MitarbeiterInnen.

Was wir anbieten

Das Projekt „Leben in zukunftsfähigen Dörfern“ ermöglicht insgesamt fünf Dörfern im Bundesgebiet eine Beratung und Begleitung bei der Entwicklung einer nachhaltigen Dorfentwicklung unter Berücksichtigung der lokalen Gegebenheiten. Dies geschieht in Kooperation mit einem regional ansässigen Ökodorf-Projekt.

In aufeinander aufbauenden Projekt-Phasen werden die BewohnerInnen der Dörfer darin unterstützt,

  • sich gemeinsam ihre Ausgangslage bewusst zu machen und den jeweiligen Entwicklungsstand in wichtigen Lebensbereichen zu reflektieren – z.B. in punkto Abwanderung, Überalterung, Leerstand, Mangel an Beschäftigung u.a.,
  • ihre Chancen und Potentiale zu erkennen – etwa im gemeindeeigenen Landbesitz (welcher für Jung-Landwirte durchaus attraktiv sein kann), in günstig verfügbaren Höfen und Wohnmöglichkeiten, in den Lebenserfahrungen der Dorf-Bevölkerung oder in der Aufgeschlossenheit für einen Neubeginn,
  • in einem guten, konstruktiven Miteinander ihre Vision von einer zukunftsfähigen Umgestaltung ihres Dorfes zu entwickeln,
  • einen Nachhaltigkeits-Plan für ihre Gemeinde zu erarbeiten, welcher konkrete Ziele, Handlungsfelder und -schritte für die künftige Dorfentwicklung beschreibt,
  • sich ein regionales UnterstützerInnen-Netzwerk aufzubauen für den Erfahrungsaus-tausch – etwa über die gegenseitige, solidarische Unterstützung im Alltag oder den Zuzug junger Menschen, die Verwirklichung von Energie-Autarkie, das Einwerben öffentlicher Förderung u.v.a.m.

Die gemeinsame Kooperation für eine zukunftsfähige Dorfentwicklung soll es ermöglichen, übertragbare Erfahrungen zu sammeln und ein methodisches Vorgehen zu entwickeln, von dem letztlich zahlreiche weitere ländliche Gemeinden in vergleichbarer Situation Inspiration und Ermutigung erhalten können.

Projekt-Ablauf

März bis April 2017: Informations-Phase

erste Informations-Veranstaltung für interessierte Dorf-VertreterInnen zu Aufgabenstellung, Ablauf und angestrebten Ergebnisse der Kooperation (mit begleitender Berichterstattung in regionalen Medien und unter Mitwirkung regionaler AkteurInnen aus Politik und Verwaltung)

bis 15. Mai 2017: Auswahl-Phase

Beratung über die Teilnahme innerhalb der Dörfer / Beschluss der BürgerInnen-Versammlung und des Gemeinde-Rates über den Antrag auf Mitwirkung / Einreichung der Anträge bis spätestens 30.04.2017 / Auswahl einer Dorf-Gemeinschaft als Kooperationspartner / Bildung eines Dorf-Kontakt-Teams / öffentliche Bekanntmachung

Juni bis November 2017: Bestandsaufnahme/Nachhaltigkeitsgutachten

Auftakt-Workshop / qualitative und quantitative Analyse der Ausgangs-Situation in den vier Nachhaltigkeits-Dimensionen für alle beteiligten Projekt-PartnerInnen (Dörfer und Ökodörfer) / vergleichende Auswertung der 10 Nachhaltigkeitsgutachten

November 2017: Zwischenpräsentation der Ergebnisse

Dezember 2017 bis Juli 2018: Erstellung des Aktionsplans

Beteiligungs-Prozess in den Dorf-Gemeinschaften zur Erarbeitung gemeinsamer Absichten und konkreter Umsetzungsschritte in einem Nachhaltigkeits-Plan für das Dorf / Abstimmung einer gemeinsam getragenen Vorgehensweise für dessen künftige Umsetzung / Einbeziehung lokaler AkteurInnen und regionaler PartnerInnen (z.B. Regionale LEADER-Aktionsgruppen, Ämter für Ländliche Flurneuordnung und Dorfentwicklung, Politik, Verwaltung, Universitäten etc.)

Juli: Diskussion der Ergebnisse bei einem Expert*innen-Workshop

August bis September 2018: Reflektion/Abschlusspräsentation

gemeinsame Reflektion aller Projekt-Beteiligten / Erarbeitung von Erfahrungs-Berichten der ProjektpartnerInnen / vergleichende Analyse der erarbeiteten Nachhaltigkeits-Pläne / Vorbereitung für deren Integration in übergeordnete Planungsebenen / Abschluss-Präsentation und Abschluss-Bericht

Ansprechpartner aus dem Projektleitungsteam:

Christoph Strünke, Thomas Meier, Stella Veciana
Sieben Linden 1, 38489 Beetzendorf OT Poppau
Tel: 039000-901296, E-Mail: uba@gen-deutschland.de