„Leben in zukunftsfähigen Dörfern”

Inspirationsfilm: „Leben in zukunftsfähigen Dörfern”
von Stella Veciana

Der Link zum Film https://vimeo.com/292687065

Aktuelles

Das Projekt „Leben in zukunftsfähigen Dörfern” wird an dem Netzwerk21Kongress in Dessau vorgestellt werden, sowohl im Markt der Möglichkeiten wie in einem von Stella Veciana geleiteten Workshop am 11. Oktober 2018 von 9 bis 11 Uhr. Mehr unter: https://www.netzwerk21kongress.de/kongress/dessau-2018/programm/workshopreihe-ii/

gefördert von:

Ein Modellprojekt zur Unterstützung nachhaltiger ländlicher Entwicklung (2017-2018)

Das Projekt „Leben in zukunftsfähigen Dörfern“ unterstützt die Kooperation von fünf Dörfern aus bundesweit fünf verschiedenen Regionen mit einem regional ansässigen Ökodorf. Zielgruppe sind insbesondere ländliche Gemeinden, in welchen Abwanderung und Überalterung, Verlust an Kulturlandschaft und ökologischer Vielfalt sowie soziale und kulturelle Stagnation zu einer schleichenden Not der Bevölkerung sowie ihrer natürlichen Lebensgrundlagen führen.
Eine Trendwende auf dem Land muss keine Utopie sein. Deutschlandweit mehren sich gute Beispiele für Dörfer und Landkreise, die unter intensiver Beteiligung der Bevölkerung eine lebenswerte Perspektive für Mensch und Umwelt entwickeln. Von Bürger-Bussen über die gemeinsam organisierte Nachbarschaftshilfe für Senior*innen und gemeindeeigene Pflanzenkläranlagen bis zum Bioenergie-Dorf – es gibt zahlreiche, ermutigende Lösungen.
Ziel des Projektes ist es, die langjährigen Erfahrungen deutscher Ökodörfer in Form von partnerschaftlichen Kooperationen modellhaft für die nachhaltige Entwicklung bestehender Dörfer und Regionen verfügbar zu machen.
Die gemeinsame Kooperation für eine zukunftsfähige Dorfentwicklung soll es ermöglichen, übertragbare Erfahrungen zu sammeln und ein methodisches Vorgehen zu entwickeln, von dem letztlich zahlreiche weitere ländliche Gemeinden in vergleichbarer Situation Inspiration und Ermutigung erhalten können.

Kooperationspartner sind:
– in Niedersachsen: Lebensgarten Steyerberg und die Dörfer Flegessen, Klein Süntel und Hasperde
– in Südniedersachsen/Nordhessen: gASTWERKe Escherode und Ziegenhagen
– in Sachsen-Anhalt: Ökodorf Sieben Linden und die Region Lindstedt
– in Thüringen: Schloss Tonndorf/LebensGut Cobstädt und Seebergen
– in Baden-Württemberg:
Schloss Tempelhof und Hülen

Ein möglicher Ausblick …

Wenn wir uns heute die Frage stellen, wie Dörfer im Jahr 2030 oder 2050 aussehen sollen, welche Bilder tauchen dann auf? Wir werden in diesem Projekt fünf ausgewählte Dörfer/Regionen anregen und darin unterstützen, eine positive Vision für ihren Ort zu entwickeln und werden diese Dörfer/Regionen bei deren Umsetzung professionell begleiten. Themen hierfür können u.a. sein:

  • die Wiedergewinnung einer lebendigen Dorfgemeinschaft – auch durch den Zuzug junger Menschen und Alternativen zum demografischen Wandel,
  • die Schaffung einer attraktiven sozial-kulturellen Infrastruktur, welche auch wieder ein würdevolles Zusammenleben der Generationen befördert,
  • die Stärkung lokaler und regionaler Wirtschaftskreisläufe mit dem Effekt von mehr Beschäftigung vor Ort,
  • die Schaffung weitgehend autarker, ökologischer und kostengünstiger Lösungen für essentielle Lebensbereiche wie Energie-Gewinnung und Mobilität,
  • die Entwicklung einer zukunftsfähigen und nachhaltigen Landwirtschaft – u.a. mit kleinbäuerlichen Strukturen und lokaler „Fair“marktung und
  • das Aufgreifen ortstypischer Besonderheiten und Traditionen und deren zeitgemäße Wiederbelebung und Einbettung in ein Dorfkonzept mit Strahlkraft.

… und der aktuelle Hintergrund

Eine auf konstantes Wachstum ausgelegte Ökonomie, eine damit einhergehende kontinuierliche Intensivierung der Landwirtschaft sowie der demografische Wandel haben in den ländlichen Regionen Deutschlands in den letzten Jahrzehnten viele Probleme mit sich gebracht:

Die natürliche Bodenfruchtbarkeit und die Fähigkeit der Böden, sauberes Trinkwasser zu generieren wie auch die natürliche Artenvielfalt und Attraktivität unserer Kulturlandschaft nehmen durch die zu intensive landwirtschaftliche Nutzung kontinuierlich ab. Damit sind wichtige Lebensgrundlagen stark gefährdet.

Zugleich gibt es immer weniger Arbeitsplätze vor Ort. Die DorfbewohnerInnen müssen immer weitere Wege zurück legen, um einer Erwerbsarbeit nachgehen zu können. Das führt nicht nur zu steigenden Kosten, sondern auch zu sozialen und ökologischen Problemen (u.a. durch die Zunahme des Autoverkehrs) und zu einer zunehmenden Abwanderung in die Städte und Ballungsgebiete. Hierdurch ergeben sich zunehmend Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung lokaler und regionaler Wirtschaftskreisläufe und bei der Bewahrung der Daseinsvorsorge im ländlichen Raum.

Durch die Abwanderung gibt es immer mehr leer stehende Immobilien, deren Unterhaltungsaufwand Kommunen und private EigentümerInnen schwer belastet oder überfordert. Abwanderung und Überalterung der Bevölkerung führen auch zu einem Niedergang des sozialen und kulturellen Dorflebens.

Diesen Fehlentwicklungen entgegen zu wirken und damit für weite Bevölkerungskreise den Weg zu einem nachhaltigen, ländlichen Leben zu bewahren bzw. zu eröffnen, ist Ziel und Inhalt dieses Modell-Projektes.

Unser Konzept

Das Projekt „Leben in zukunftsfähigen Dörfern“ ermöglicht insgesamt fünf Dörfern im Bundesgebiet eine Beratung und Begleitung bei der Entwicklung einer nachhaltigen Dorfentwicklung unter Berücksichtigung der lokalen Gegebenheiten. Dies geschieht in Kooperation mit einem regional ansässigen Ökodorf-Projekt.

In aufeinander aufbauenden Projekt-Phasen werden die BewohnerInnen der Dörfer darin unterstützt,

  • sich gemeinsam ihre Ausgangslage bewusst zu machen und den jeweiligen Entwicklungsstand in wichtigen Lebensbereichen zu reflektieren – z.B. in punkto Abwanderung, Überalterung, Leerstand, Mangel an Beschäftigung u.a.,
  • ihre Chancen und Potentiale zu erkennen – etwa im gemeindeeigenen Landbesitz (welcher für Jung-Landwirte durchaus attraktiv sein kann), in günstig verfügbaren Höfen und Wohnmöglichkeiten, in den Lebenserfahrungen der Dorf-Bevölkerung oder in der Aufgeschlossenheit für einen Neubeginn,
  • in einem guten, konstruktiven Miteinander ihre Vision von einer zukunftsfähigen Umgestaltung ihres Dorfes zu entwickeln,
  • einen Nachhaltigkeits-Plan für ihre Gemeinde zu erarbeiten, welcher konkrete Ziele, Handlungsfelder und -schritte für die künftige Dorfentwicklung beschreibt,
  • sich ein regionales UnterstützerInnen-Netzwerk aufzubauen für den Erfahrungsaus-tausch – etwa über die gegenseitige, solidarische Unterstützung im Alltag oder den Zuzug junger Menschen, die Verwirklichung von Energie-Autarkie, das Einwerben öffentlicher Förderung u.v.a.m.

Die gemeinsame Kooperation für eine zukunftsfähige Dorfentwicklung soll es ermöglichen, übertragbare Erfahrungen zu sammeln und ein methodisches Vorgehen zu entwickeln, von dem letztlich zahlreiche weitere ländliche Gemeinden in vergleichbarer Situation Inspiration und Ermutigung erhalten können.

Zwischenergebnisse

Dokumentation der Zwischenergebnisse als pdf 180522_Nachhaltigkeits-Evaluation_Zwischenstand

Projekt-Ablauf

März bis April 2017: Informations-Phase

erste Informations-Veranstaltung für interessierte Dorf-VertreterInnen zu Aufgabenstellung, Ablauf und angestrebten Ergebnisse der Kooperation (mit begleitender Berichterstattung in regionalen Medien und unter Mitwirkung regionaler AkteurInnen aus Politik und Verwaltung)

bis 15. Mai 2017: Auswahl-Phase

Beratung über die Teilnahme innerhalb der Dörfer / Beschluss der BürgerInnen-Versammlung und des Gemeinde-Rates über den Antrag auf Mitwirkung / Einreichung der Anträge bis spätestens 30.04.2017 / Auswahl einer Dorf-Gemeinschaft als Kooperationspartner / Bildung eines Dorf-Kontakt-Teams / öffentliche Bekanntmachung

Juni 2017: Auftaktveranstaltung
_9.-11.06.2017_BildProtokoll_Auftaktveranstaltung_Heckenbeck

Juni bis November 2017: Bestandsaufnahme/Nachhaltigkeitsgutachten

Auftakt-Workshop / qualitative und quantitative Analyse der Ausgangs-Situation in den vier Nachhaltigkeits-Dimensionen für alle beteiligten Projekt-PartnerInnen (Dörfer und Ökodörfer) / vergleichende Auswertung der 10 Nachhaltigkeitsgutachten

November 2017: Zwischenpräsentation der Ergebnisse

Dezember 2017 bis Juli 2018: Erstellung des Aktionsplans

Beteiligungs-Prozess in den Dorf-Gemeinschaften zur Erarbeitung gemeinsamer Absichten und konkreter Umsetzungsschritte in einem Nachhaltigkeits-Plan für das Dorf / Abstimmung einer gemeinsam getragenen Vorgehensweise für dessen künftige Umsetzung / Einbeziehung lokaler AkteurInnen und regionaler PartnerInnen (z.B. Regionale LEADER-Aktionsgruppen, Ämter für Ländliche Flurneuordnung und Dorfentwicklung, Politik, Verwaltung, Universitäten etc.)

März 2018: Methodenworkshop 

Für die Durchführung von Nachhaltigkeit-Plänen für Modellprojekte wurde im März 2018 ein Methodenworkshop von 3 Tagen in Ziegenhagen durchgeführt. Während des Workshops wurden Methoden auf den fünf Ebenen der Entwicklung von gemeinschaftlichen Projekten von CLIPS (Ich, Wir, Intention, Struktur und Praxis) vorgestellt und in vielen Übungen direkt erfahren. Sie können sich gerne den Methodenwerkzeugkasten downloaden. Er enthält nicht nur die Methoden sondern auch Beispiele für ihre Durchführung in Workshops. Für Nachfragen und Feedback bitte wenden an: uba@gen-deutschland.de  

+MethodenWerkzeugkasten_CLIPS 
Juli 2018: Diskussion der Ergebnisse bei einem Expert*innen-Workshop

Das Projekt „Leben in zukunftsfähigen Dörfern“ wurde im Forscher*innen-Workshop insgesamt sehr positiv bewertet, unter anderem die Anwendung der GEN-Kriterien für die Nachhaltigkeitsevaluation der Dörfer und die vielfälligen Outputs, die in der kurzen Zeit durch den hohen Anspruch geleistet wurden. Darüber hinaus wurden gehaltvolle Antworten erarbeitet zu möglichen Schwerpunktthemen, Aktivierungs-instrumente, zentrale Leitziele und Bezüge zu den SDGs. Im Erfahrungsaustausch wurde über die Notwendigkeit eines radikaleren Anspruches an eine nachhaltigen (Dorf)Entwicklung diskutiert. Aus den vorgearbeiteten Thesen zur nachhaltigen Dorf- und Regionalentwicklung konnte eine sehr reichhaltige Ernte erzielt werden hinsichtlich: der Balance zwischen Theorie (komplexer ganzheitlicher Nachhaltigkeitsansatz) und Praxis („einfach machen!“), der Übernahme von Eigenverantwortung und Verbindlichkeit, der notwendigen politischen Unterstützung von Frei- und Möglichkeitsräume für eine nachhaltige Dorf/Regionalentwicklung sowie Wege für einen wirksamen Schulterschluss mit anderen nachhaltigkeitsorientierten Initiativen.

Den Bericht zur Forscher*innen Workshohp gibt es hier:
Bericht_Forscher-innen_Workshop_LebenInZukunftsfaehigenDoerfern

Juli 2018: Vorstellung des Projekts in der GEN-Europe Konferenz in Lilleoru, Estland

Das Projekt „Leben in zukunftsfähigen Dörfern“ wurde während der GEN-Europe Konferenz “The wisdom of conscious communities” in Lillerou, Estland vorgestellt an der mehr als 600 Menschen aus 46 Ländern in ganz Europa und darüber hinaus zusammenkamen, um sich über ihre vielfältigen nachhaltigen Lebensweisen auszutauschen und vernetzen. 
 
„Juli 2018: Presentation of the project at the GEN-Europe conference in Lilleoru, Estonia”
The project „Living in sustainable villages“ was presented during the GEN-Europe conference „The wisdom of conscious communities“ in Lillerou, Estonia where more than 600 people from 46 countries across Europe and beyond came together to celebrate the inter-connectivity of sustainable communities and the relevance of their practices and values for the contemporary world.

August bis September 2018: Reflektion/Erfahrungsberichte

gemeinsame Reflektion aller Projekt-Beteiligten / Erarbeitung von Erfahrungs-Berichten der ProjektpartnerInnen / vergleichende Analyse der erarbeiteten Nachhaltigkeits-Pläne / Vorbereitung für deren Integration in übergeordnete Planungsebenen und Abschluss-Bericht

Abschlusskonferenz

a. Kurzbeschreibung:

Im Rahmen einer Abschlusskonferenz im September 2018 stellten die Projektträger sowie Dorfbewohner*innen aus den fünf Kooperationsdörfern ihre im Laufe des Projektes gesammelten Erkenntnisse und die in den Dörfern angestoßenen Vorhaben einem größeren Kreis von Teilnehmer*innen aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft vor.
Darüber hinaus wurden die fünf Thesen/Kernfragen des Projekts in Workshops diskutiert. Hervorgehoben wurde hierbei u. a., dass es in vielen Dörfern ratsam ist, zuerst Projekte anzugehen, die auf das Wohlwollen der ganzen Dorfbevölkerung stoßen, wie z. B. eine „Mitfahrbank“, und kostspieligere Projekte wie die Gestaltung eines Dorfgemeinschaftshauses in einem zweiten Schritt umzusetzen. Einen Raum zu schaffen, in dem die Dorfbewohner*innen sich über ihre gemeinsame Zukunft austauschen können, wurde als essenziell betrachtet, um gemeinsame, nachhaltigkeitsorientierte Projekte wie z. B. einen Bio-Dorfladen oder eine solidarische Landwirtschaft gut planen und umsetzen zu können.
Dass die soziale Infrastruktur eines Dorfes genauso wichtig ist wie die technische oder wirtschaftliche, kam auch im Rahmen der Podiumsdiskussion zur Sprache. Simone Strähle, Referentin im Leitungsbereich des Thüringer Ministeriums für Infrastruktur und Landwirtschaft, wies in diesem Zusammenhangdarauf hin, dass ihr Ministerium „Ortsgespräche – Leben im ländlichen Raum“ initiiert habe. Auf der Grundlage der daraus gewonnenen Erkenntnisse plane das Ministerium, für die Zukunft Förderprogramme für soziale Infrastruktur zu entwickeln.
Die Konferenz hat auch die Relevanz einer bundesweiten Netzwerkbildung durch einen Schulterschluss der Initiativen für eine zukunftsfähige Dorfentwicklung betont. In diesem Zusammenhang plant das Projektleitungsteam (S. Veciana, T. Meier, C. Strünke) von „Leben in zukunftsfähigen Dörfern“ weitere Veranstaltungen, wie z. B. eine Begleitveranstaltung beim 11. Zukunftsforum für Ländliche Entwicklung am 23./24.1.2019 in Berlin.

b. Projektergebnisse:

Die Projektergebnisse können hier als Projektergebnisse_LzD werden.
 

Weiterführende Links

  • Konferenz der Akteure am 29.11.2017Konferenz der Akteure – Gesellschaft selber machenDie DVS (Deutsche Vernetzungsstelle ländliche Räume“ hat zum dritten Marktplatz für Dörfer eingeladen, in diesem Jahr gemeinsam mit dem Fünften Forum des Programms „Neulandgewinner. Zukunft erfinden vor Ort“ der Robert Bosch Stiftung.
    https://www.netzwerk-laendlicher-raum.de/service/veranstaltungen/marktplatz-fuer-doerfer/
  • Initiative „Dörfer im Aufbruch“
    Diese Initiative will Kommunen und Initiativen unterstützen, Ihre Entwicklung weitgehend selbst zu lenken.
    www.doerfer-im-aufbruch.de
  • Akademie der Dorfhelden
    Die Akademie der Dorfhelden richtet sich an alle aktiven Leute im ländlichen Raum Brandenburgs, die Ideen oder Vorhaben umsetzen wollen und Unterstützung bei Gleichgesinnten suchen. Wir suchen Menschen, die sich gesellschaftlich engagieren und möchten mit Ihnen Ideen entwickeln, wie man politische Mitbestimmung im ländlichen Raum stärken kann.
    http://www.schloss-trebnitz.de/akademie-der-dorfhelden/
-> Projektflyer zum download

Ansprechpartner aus dem Projektleitungsteam:

Christoph Strünke, Thomas Meier, Stella Veciana
Sieben Linden 1, 38489 Beetzendorf OT Poppau
Tel: 039000-901296, E-Mail: uba@gen-deutschland.de