Leben in zukunftsfähigen Dörfern II

Lernorte für morGEN

Ein Projekt von GEN Deutschland

Nachhaltige Entwicklungsimpulse für den ländlichen Raum

Wo stehen wir? Eine auf konstantes Wachstum ausgelegte Ökonomie, die Intensivierung der Landwirtschaft sowie eine immer älter werden Bevölkerung haben viele ländliche Regionen nachteilig geprägt. Die Böden verlieren an Fruchtbarkeit, das Trinkwasserqualität an Qualität. Die Artenvielfalt nimmt drastisch ab. Arbeitsplätze sind rar vor Ort und der zunehmende Pendlerverkehr macht die Durchgangsstraßen zu unangenehmen Wohnlagen. Das soziale und kulturelle Leben scheint in den meisten Dörfern früher lebendiger, persönlicher, unterstützender gewesen zu sein.

Diesen Fehlentwicklungen etwas entgegen zu setzen, die Menschen vor Ort und ihren Gemeinschaftssinn zu stärken, ist Ziel und Inhalt dieses Projektes. Die Akteure vor Ort werden ermutigt und unterstützt, eigene Lösungsansätze zu entwickeln zu den Fragen, die ihr Dorf am meisten bewegen.

Da nun weltweit bereits mehr als die Hälfte der Menschen in Städten lebt, sind ländliche Räume als lebbare und attraktive Alternative von hoher umwelt- und gesellschaftspolitischer Relevanz. Letztlich ist heute jedes Dorf angehalten, ein „ecovillage“ zu werden, jede Stadt eine „transition town“.
Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Selbstorganisation der Dörfer, das Wiedererlernen gemeinschaftlichen Handelns mit Blick auf die persönlichen Potentiale der Beteiligten, das Wohl aller und der planetaren Grenzen.

Die Herausforderungen für eine nachhaltige Gestaltung ländlichen Lebens sind für alle am Projekt beteiligten Partner*innen – ob gewachsenes Dorf oder Ökodorf – ähnlich. Der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen, die Wiederbelebung regionaler, umweltverträglicher und sozial eingebetteter Wirtschafts-Kreisläufe sowie ein aktiveres soziales Miteinander sind geteilte Anliegen. Dies eröffnet den Raum für gegenseitiges Lernen und gemeinsame Impulse für ein Leben in zukunftsfähigen Dörfern.

Worin liegt der Beitrag der Ökodörfer? Erkenntnisse des Vorgänger-Projektes

Ökodörfer bieten ein Modell für die Entwicklung nachhaltiger Lebensstile und geben zahlreiche Impulse, Konzepte und Lösungen in ökologischen, ökonomischen, sozialen und kulturellen Lebensbereichen. Auch für die Selbstorganisation der Dörfer und Gemeinden unter Einbeziehung der „kollektiven Intelligenz“ für das Gemeinwohl ist in Ökodörfern eine umfangreiche Vorarbeit geleistet worden.

Das Projekt will die Übertragung der über Jahrzehnte entwickelten Innovationskraft und des ganzheitlichen Nachhaltigkeits-Ansatzes des Global Ecovillage Network für eine zukunftsfähige Umgestaltung bestehender Dörfer methodisch optimieren. Dabei geht es nicht darum, das „Ökodorf-Modell“ auf andere Dörfer zu übertragen, sondern um eine wohlüberlegte Adaption von Ansätzen und Konzepten der Ökodörfer für ländliche Regionen.

Im auch vom Umweltbundesamt geförderten Vorgänger-Projekt „Leben in zukunftsfähigen Dörfern“ (Laufzeit April 2017 bis April 2019; siehe https://www.gen-deutschland.de/projekte/projekt-leben-in-zukunftsfaehigen-doerfern/) wurden innerhalb von fünf Dorfkooperationen viele Projekte geplant und teilweise auch umgesetzt, die zum einen die Dörfer perspektivisch nachhaltiger werden lassen, zum anderen Ansätze einer Gemeinschaftskultur in den Dörfern gefördert haben, die die Gestaltung weiterer Projekte vor Ort erleichtern werden.
Die in diesem Projekt gewonnene Erkenntnis, dass die Eingemeindung vieler Dörfer die politische Selbstorganisation vieler Dörfer erschwert hat, verdeutlichte die Wichtigkeit von Dorfgemeinschaftshäusern, in denen Menschen wieder zusammen kommen können, sowie auch die Förderung des Glaubens an die eigene Selbstwirksamkeit, dass es möglich ist, gemeinsam die Zukunft des Dorfes in die Hand zu nehmen.

Projektbeschreibung

Der Schwerpunkt dieses Projektes „Leben in zukunftsfähigen Dörfern II“ (Laufzeit Mai 2019 bis Februar 2021) liegt also in der „Unterstützung der Selbstorganisation der gewachsenen Dörfer“ im Rahmen von vier Dorfkooperationen.

Darüber hinaus wird „Lernorte für morGEN“ als Internet-Plattform etabliert: Die Erfahrungen aus dem Vorgängerprojekt sowie aus bestehenden Öko-Dörfern und Good-Practise-Dörfern werden als Bildungsformate einer breiten Öffentlichkeit, insbesondere engagierten Dörfern und der ländlichen Regionalpolitik, angeboten.

Des weiteren wird es bei diesem Projekt eine stärkere Vernetzung mit anderen Organisationen und Projekten zur Förderung einer ländlichen, nachhaltigen Entwicklung geben. Diese Akteure werden zu öffentlichen Treffen einladen. Auch das „Zukunftsforum Ländliche Entwicklung“ wird genutzt, um den Austausch zwischen unterschiedlichsten Interessengruppen zu intensivieren, gemeinsames Lernen anzustoßen und ggf. weitere konkrete Kooperations-Projekte zu initiieren.

Die Verantwortung für den Inhalt dieser Veröffentlichung liegt bei den Autor*innen und Autoren.